Der Club der toten Dichter – Theaterprojekt der 12. Klasse

Die 12. Klasse hat sich den Filmklassiker von Regisseur Peter Weir ausgesucht, in dem das Elite-Internat Welton-Academy Schauplatz des Dramas um Gehorsam und Selbstentfaltung ist. Leidenschaftlich führt der junge Lehrer John Keating seine Schüler in die Welt der Literatur und Poesie ein und lehrt sie eigenständig zu denken und zu handeln. Für zwei Schüler bedeutet diese Haltung eine innere Befreiung. Einer von ihnen aber überlebt den Konflikt, dem er dadurch mit seinem Vater ausgesetzt wird, nicht.
Die Theateraufführung der 12. Klasse ist einer der Höhepunkte der gemeinsamen Schulzeit und schließt die Reihe der Theaterprojekte von der Unter- bis zur Oberstufe ab. Die Schüler erarbeiten das Stück eigenverantwortlich in Bezug auf Sprache, Dramaturgie, Regie und Bühnentechnik.

Captain, oh mein Captain!

Theaterstück nach dem Film „Der Club der toten Dichter“ von Peter Weir

Rastatt, Oktober 2018.
Mit einer aufwühlenden und intensiven Theateraufführung hat die 12. Klasse der Waldorfschule Rastatt am Wochenende ihr Publikum begeistert. Die Schülerinnen und Schüler brachten eine eindringlich inszenierte Umsetzung des berühmten Films „Der Club der toten Dichter“ von Peter Weir auf die Bühne der Reithalle Rastatt.

Tradition, Ehre, Disziplin und Leistung sind die Werte, die am Elite-Internat Welton im Amerika Mitte des 20. Jhds vermittelt werden. Strenge, ein unpersönlicher Unterricht, der den jungen Leuten eine Qual ist, Pauken, Auswendiglernen und unbedingter Gehorsam prägen den Schulalltag. Wie elektrisiert sind die 17-jährigen Schüler der Abschlussklasse deshalb von dem ganz anderen Ansatz des neuen Englischlehrers John Keating: Das Mark des Lebens sollen sie einsaugen, den Tag nutzen, ihre Phantasie spielen lassen. Er führt sie in die Welt der Literatur und Poesie ein und lehrt sie, eigenständig zu denken und zu handeln. Fasziniert lauschen sie seinen Berichten vom Club der toten Dichter, den er – einst selbst Schüler in Welton – mit seinen Kameraden geführt hatte. Seine Schüler lassen den Club neu entstehen und finden dadurch die Kraft und die Stärke, zu sich selbst zu stehen: So überwindet Todd seine Ängste, Knox steht für seine Liebe zur schönen Chris ein und Neil bekennt sich zu seiner Theaterleidenschaft. Er übernimmt heimlich gegen den Willen seiner Mutter eine Rolle in einem Theaterstück. Doch dann geschieht die Katastrophe: Als sie dahinterkommt und ihn zwingt, auf seine Rolle zu verzichten, nimmt er sich das Leben. Lehrer Keating, dem man die Schuld für alles gibt, muss von der Schule gehen. Doch die Lektion, die er seinen Schülern beigebracht hatte, hat längst Früchte getragen: Sie verabschieden ihn mit seinem Wahlspruch „Captain, oh mein Captain“ und beweisen ihm so, dass sie zu ihm und ihren Überzeugungen stehen.

Die Handlung des Films von Regisseur Peter Weir aus den 1990ern ist uns noch präsent, der Ausruf „Carpe Diem – nutze den Tag“ des jungen Lehrers, gespielt von Robbin Williams, gehört seither zum allgemeinen Sprachgut.
Das Spannungsfeld zwischen Gehorsam und Selbstentfaltung aber, das im Film behandelt wird, ist heute so aktuell wie damals und hat die 12. Klasse der Waldorfschule inspiriert, den Filmklassiker als Bühnenstück umzusetzen. 
Wie die Schülerin Sonja Simon bei ihrer Begrüßung erklärte, war diese Verbindung der Grund für die Wahl des Stückes. Die Klasse habe mit sich gerungen, gekämpft und diskutiert und dabei aber zu sich selbst und noch weiter zusammengefunden. Diesen Zusammenhalt spürte das Publikum in jeder Minute der gelungenen Inszenierung. Das Zusammenspiel der hervorragenden und ausdrucksstarken Laienspieler war jederzeit überzeugend und stimmig. So wurden die Schüler, die das Stück eigenverantwortlich in Bezug auf Sprache, Dramaturgie, Regie und Bühnentechnik allein erarbeitet hatten, auch mit tosendem Applaus belohnt.
(Text und Fotos: Andrea Röthe)

BNN - 12. Klassspiel