Wette und Liebe gewonnen!

Die 8. Klasse der Waldorfschule Rastatt inszenierte »In 80 Tagen um die Welt« als rasante Komödie mit Ausflügen in die Gegenwart

Fast jeder kennt Jules Vernes Roman »In 80 Tagen um die Welt« und weiß auch um dessen feine Ironie. Die Bühnenfassung von Sébastien Azzopardi und Sacha Danino hingegen, die die 8. Klasse der Waldorfschule Rastatt unter der Regie von Peggy Pigerre und der Gesamtleitung von Ute Frieda Treppke auf die Bühne brachte, sprudelte geradezu vor Sprachwitz und Humor.

Wegen einer Wette brachen Phileas Fogg und sein treuer Diener Passepartout am 2.
Oktober 1872 auf, um in nur 80 Tagen die Welt zu umrunden, und bestanden nebenbei in Windeseile Abenteuer am laufenden Band. Allein die Kombination aus »englischem Gentleman« und »stolzem Franzosen« sorgte für subtile Pointen. Doch diese beiden trafen außerdem auf Botschafter, die sich Verordnungen aus Brüssel beugen mussten und auf indische Fanatiker, denen die Streichung ihrer Hartz-IV-Bezüge zu weit ging. Ihr Verfolger Fix, Lohnabhängiger im Geheimdienst ihrer Majestät, hatte durchaus etwas von James Bond; nur war sein Auftrag keinesfalls von Erfolg gekrönt. Denn nicht der von Fix verdächtigte Phileas Fogg, sondern eine gewisse Angela M. hatte die Bank von England beraubt – um Griechenland zu retten. Und am Ende gewann Fogg nicht nur seine Wette, sondern auch die Liebe von Prinzessin Aouda, mit der er zuvor auf dem Rücken eines veritablen Elefanten ihren Mördern entfloh. Dass Fogg schließlich von der Queen persönlich geadelt wurde, war genauso folgerichtig wie Passepartouts vehemente Ablehnung der englischen Staatsbürgerschaft.

Die Weltreise durch die verschiedenen Kontinente wurde mit viel Liebe zum Detail mit Hilfe der Kulissen und Requisiten illustriert, die Umbaupausen durch musikalischen Einsatz der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler elegant überbrückt. Dank Basarverkäufer, Chinesen und Cowboys wusste der Zuschauer immer, an welcher Station der Reise Halt gemacht wurde.

Die Spielfreude der Achtklässlerinnen und Achtklässler war großartig, ihr Einfühlungsvermögen in die verschiedenen Rollen beeindruckend. Und so wurde ihre kurzweilige, zweistündige Aufführung vom vergnügten Publikum mit viel Szenenapplaus belohnt – ein schöner und verdienter Lohn für viele Wochen Proben und Theaterarbeit jeder Art. Am Ende waren alle auch ein kleines bisschen traurig, als am Sonntag in der Rastatter Reithalle vor ausverkauftem Haus zum letzten Mal der Vorhang fiel. Aber einen Trost gibt es ja: das Klassenspiel in der 12. Klasse!