Dolce Vita in Rastatt: Tolle Theateraufführung der 12. Klasse

Flott inszenierte Komödie "Die Widerspenstige" in der Reithalle - frei nach Shakespeare

Viel Tempo, gute Einfälle und tolle schauspielerische Leistungen: Die Aufführung der Komödie „Die Widerspenstige“ von Christoph Eckert, die Schüler der zwölften Klasse der Waldorfschule Rastatt am Wochenende auf die Bühne der Reithalle brachten, begeisterte zu Recht das Publikum.

Der Sonnenuntergang ist gigantisch, das Meer abends wunderbar blau – darum besuchen die Touristen das Ristorante von Wirt Baptista in Kampanien auch nur scharenweise in den frühen Abendstunden. Ansonsten ist es gähnend leer, was sowohl am überteuerten, ungenießbaren Essen, an den unverschämten Kellnern wie auch an seinen Töchtern liegen könnte: Die hübsche Jüngere ist nur mit ihren Verehren beschäftigt, die Ältere äußerst kratzbürstig zu jedermann und deshalb Baptistas große Sorge. Damit sie nicht „sitzenbleibt“, stellte er zur Bedingung, dass niemand seine hübsche Bianca bekommt, solange die unbeliebte Katharina nicht wenigstens verlobt ist. So engagieren Biancas liebestolle Verehrer kurzerhand Petruccio als Katharinas Scheinverehrer, um freie Bahn bei der Schönen zu haben.
Es kommt wie es – laut Shakespeares berühmter Vorlage – kommen muss: Der schlagfertige Petruccio verliebt sich in die zickige, aber schlaue Katharina und die Komödie nimmt ihren Lauf. Und den hatten die Schülerinnen und Schüler der Waldorfschule stets perfekt in der Hand: Mit viel Spielfreude, Verve und Professionalität hielten sie den Plot des jungen Autors Christoph Eckert, der Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ in die heutige Zeit transportiert hat, stets in Schwung und überzeugten das Publikum mit ihrer Präsenz. Die Gags saßen auf den Punkt, Mimik und Gestik stimmten und kleinere Texthänger wurden gekonnt überspielt. Viele Schüler, wie Tim Brecht als stets cholerischer Wirt Baptista oder auch die beiden „Biancas“ Lina Vollmer (am Freitag- und Sonntagabend) und Jessica Dreyer (am Samstagabend), die sich mehr und mehr in ihre Rolle als frivol-kapriziöse, aber naive Schöne hineinspielten, konnten mit überraschenden schauspielerischen Leistungen begeistern, ebenso wie die herrlich ironische Aline Fahrner als Katharina oder deren zweite Besetzung Lilli Falk, die besonders temperamentvoll agierte. Aber auch kleinere Nebenrollen wie Lara Schillinger als deutsche Touristin „Maus“, oder Larissa Ganz bzw. Annalena Mohr als durstige Witwe wurden liebevoll und detailgenau auf den Punkt gebracht.
So boten die Schülerinnen und Schüler unter Anleitung ihrer Klassenbetreuer Florence Cartet und Christof Lang und unterstützt von den Theaterpädagogen Monika Wieder und Tobias Gerstner eine rundum gelungene Aufführung, bei der vom Bühnenbild bis zur musikalischen Untermalung alles stimmte. Eine solche Schüleraufführung ist Teil des Lehrplans an Waldorfschulen: Jede 12. Klasse erarbeitet unter Anleitung eines betreuenden Lehrers ein abendfüllendes Theaterstück und bringt es zu mehreren öffentlichen Aufführungen.
Im Gegensatz zu einer Theater-AG oder einem Literaturkurs sind alle Schüler in einer oder mehreren Rollen auf der Bühne. Auch die Rastatter Schüler realisierten ihr Stück mit viel Elan und Phantasie weitgehend eigenverantwortlich.

Bericht von Andrea Röthe