Die Waldorfschule Rastatt begegnet der estnischen Waldorfschule in der Hauptstadt Tallinn

Ein Landschulheim als Sozialprojekt

10 Tage verbrachten 26 Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse der Waldorfschule Rastatt in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Darunter zwei Austauschschülerinnen aus Frankreich und zwei Betreuer. Nicht nur die Aufgabe, einer Schule in Not zu helfen, sondern noch viel mehr wurde bei dem Sozialprojekt vom 11. bis 22. Juni 2012 umgesetzt, wie es im Resümee zur Reise heißt. So lernten die Schülerinnen und Schüler nicht nur Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund kennen, deren Sprache und Land, sondern erlebten, wie es ist, für andere da zu sein, wenn sie gebraucht werden und zwar gerade von solchen, die weniger haben als wir.

Vor Ort wurde die Klasse mit einem viel niedrigeren Lebensstandard als dem unseren konfrontiert. Wenn auch das Zentrum von Tallinn sehr modern wirkte, zeigte sich die Stadt ein paar Straßen weiter ganz anders, ärmer und bedürftiger. Besonders eindrücklich war dies beim Einkaufen: Für eine Gruppe von 28 Personen füllten wir unseren Einkaufswagen oft bis zum Rand, so eine Schülerin. An der Kasse schauten die Menschen dann mit großen Augen und die Kassiererin bedankte sich mehrmals.
Mit jedem Tag mehr wurde allen bewusst, in welcher Notlage sich auch die Waldorfschule in Tallinn befand und wie gut es war, dass hier vor Ort geholfen werden konnte. Vier Aufgaben nahm sich die Klasse vor. Die größte und schwierigste war die Renovierung eines großen Flurs: Alter Verputz und Farbe mussten abgekratzt, Unebenheiten verspachtelt, die Wand gestrichen und zu guter Letzt noch die neue Farblasur angebracht werden. Die anderen Projekte waren ebenso umfangreich: Es hieß schleifen, kratzen, säubern und streichen, alte Steine aus den Tiefen des Kellers die Treppen hoch schleppen, brauchbar machen und vermauern. Die Zeit war knapp und alle packten mutig und mit Ausdauer an. Dabei war es nicht so leicht, sich an die ungewohnten Umstände zu gewöhnen. So nahm der Tag kein Ende. Nach einer kurzen Dämmerung war es wieder taghell. Richtige Nächte gab es nicht. Fremd war auch das dort scheinbar langsamer ablaufende Leben, wo dann dennoch alles zur rechten Zeit kommt: „Learn to wait!” war das Motto.

Am letzten Arbeitstag fanden sich alle in der „Aula“ der Schule zusammen und wurden mit Dank nicht nur für die geleistete Arbeit bedacht, sondern auch für den Mut und die Hoffnung, die die Klasse ihnen gegeben hat, dafür dass es noch Menschen gibt, die gerne gekommen sind und sie kennen lernen wollten und sie nicht vergessen sind. Dank der zahlreichen Spenden von Einzelpersonen und Kleinunternehmen konnte dieses Sozialprojekt realisiert werden. Reich an neuen Erfahrungen und Eindrücken konnte so die Klasse Tallinn mit der Gewissheit verlassen, neue, Ländergrenzen überspannende Freundschaften geknüpft zu haben.