12.-Klassspiel 2014: „Die Welle“ nach dem Roman von Morton Rhue

Jeder wollte Teil der Bewegung sein

„Wenn die Mehrzahl der Deutschen keine Nazis waren, wie konnte es dann zum Dritten Reich und dem Holocaust kommen?“ Mit dieser Frage beschäftigte sich die diesjährige Aufführung der 12. Klasse der Freien Waldorfschule Rastatt am vergangenen Wochenende: Eindrucksvoll brachten die Schülerinnen und Schüler das Theaterstück „Die Welle“ nach dem Roman von Morton Rhue, das sich genau damit auseinandersetzt, auf die Bühne der Reithalle Rastatt.

Theaterprojekt der 12. Klasse der 
Freien Waldorfschule Rastatt „Die Welle“ – zu jeder Zeit aktuell

„Wenn die Mehrzahl der Deutschen keine Nazis waren, wie konnte es dann zum Dritten Reich und dem Holocaust kommen?“ Mit dieser Frage beschäftigte sich die diesjährige Aufführung der 12. Klasse der Freien Waldorfschule Rastatt am vergangenen Wochenende: Eindrucksvoll brachten die Schülerinnen und Schüler das Theaterstück „Die Welle“ nach dem Roman von Morton Rhue, das sich genau damit auseinandersetzt, auf die Bühne der Reithalle Rastatt.

Das Stück beginnt dramatisch: Ein Schüler erschießt sich selbst, Eltern und Lehrer sind fassungslos – das Ergebnis eines gefährlichen Experiments. Eigentlich wollte Geschichtslehrer Ben Ross seinen Schülern nur beispielhaft aufzeigen, wie man sich fühlt, wenn man Befehle empfängt und unter dem Druck der Masse steht. Denn seine Schüler der Gordon High School fragten ihn im Geschichtsuntericht, wie die Deutschen die Nazis zulassen konnten, warum sie nicht gegen den Diktator aufstanden. Um die Schüler von der Gefahr einer organisierten Minderheit zu überzeugen, startet er ein Experiment, das unvorhersehbare Folgen nach sich zieht. Darum erfindet er das Projekt „Die Welle“, erklärt Disziplin, Gemeinschaftssinn und Aktion zu Tugenden. Zu seinem eigenen Erstaunen finden die Schüler Gefallen an der neuen Ordnung. Und auch er selbst genießt die plötzliche Disziplin seiner Schüler – und ihre Bewunderung für ihn. Innerhalb kürzester Zeit entwickelt sich durch eine fatale Eigendynamik eine Bewegung mit Logo, Uniform, Wahlsprüchen, Satzungen. Die Welle, Klassenspiel, Freie Waldorfschule RastattAm Beispiel des Außenseiters Robert zeigt sich, wie ein unsicherer Mensch innerhalb der starken Gruppe zu Selbstbewusstsein findet.
Nur Laurie, die Chefredakteurin der Schülerzeitung, empfindet Unbehagen. Als sich Denunziantentum und Ausgrenzung einschleichen und gar ein jüdischer Schüler verprügelt wird, beginnt sie gegen die Welle zu kämpfen. Sie erkennt, dass keiner ihrer Klassenkameraden mehr selbst denkt und kritische Stimmen nicht mehr zugelassen werden. Ihr Freund David versucht unter Druck der Bewegung, sie zum Mitmachen zu bewegen. Als sie sich weigert und er sie beinahe schlägt, wacht er auf. Gemeinsam bitten sie Lehrer Ross, das Experiment zu beenden. In einer letzten Versammlung, in der der abtrünnige David von seinen Kameraden mit Gewalt bedroht wird, hält Ross seinen Schülern einen Spiegel vor und löst die Welle auf. Die Schüler begeifen, wie leicht sie sich verführen und instrumentalisieren ließen. Auf grausame Art haben sie die Antwort auf ihre Frage erhalten: So leicht kann Faschismus entstehen – ob im Dritten Reich, im Amerika der 70er-Jahre und auch in unserer Gegenwart. Der Grund, warum sich die Schüler der 12. Klasse für dieses Stück entschieden hatten. Mit viel Die Welle,Klassenspiel, Freie Waldorfschule RastattEngagement und Einsatz brachten sie „Die Welle“ mithilfe der Klassenbetreuer Ludovika Helm und Ralph Evers und dem Theaterpädagogen Thomas Knochenhauer auf die Bühne und ernteten für ihr überzeugendes Spiel und ihre tollen Bühnenbilder viel verdienten Beifall bei den drei ausverkauften Vorstellungen.

Pressestimmen

BNN 13.10.2014