Theaterprojekt der 12. Klasse

Bullets over broadway - Komödie von Woody Allen

Der Killer als Künstler
„Bullets over Broadway“ in der Reithalle

Mord, Untreue, mafiöse Verstrickungen – bei der Theateraufführung der 12. Klasse der Waldorfschule ging es in diesem Jahr heiß her: Die Schüler ließen mit „Bullets over Broadway“ die wilden 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts wieder lebendig werden. Der bekannte Woody-Allen-Film wurde von Zwölftklässlern der Waldorfschule als schmissiges Bühnenstück inszeniert.

Er hält sich für einen großen Künstler, seine Freundin sogar für ein echtes Genie. Trotzdem hat Autor und Regisseur David Shayne keinen Erfolg mit seinen intellektuellen Dramen, und auch sein neues Stück kann Freund und Produzent Julian nicht finanzieren. Bis er von Mafiaboss Nick Valenti angesprochen wird. Der versucht nämlich verzweifelt, seine anspruchsvolle Freundin Olive bei Laune zu halten. Er bietet Julian und David einen Deal an: Das Tanzmädchen erhält eine tragende Rolle, dafür finanziert Nick das Stück. Aber natürlich mit all seinen üblichen Geschäftsmethoden: Wenn bei ihm ein Partner nicht spurt, wird nicht lang gefackelt.

Der Stoff von Woody Allens Film „Bullets over Broadway“ bietet beste Voraussetzungen auf der Bühne ein Total-Desaster zu entzünden – und dies hatten die 12-Klässer der Waldorfschule Rastatt vortrefflich und eigenständig inszeniert. Das Drama beginnt schon mit den ersten Proben: Herrlich schmollend beklagt sich die verwöhnte Olive (Lisa Losberger und Selma Glatt) am ersten Abend: „Die sind so gemein zu mir – ich muss den ganzen Text auswendig lernen!“

Wie erwartet ist Olive auf der Bühne eine Katastrophe – doch nicht nur sie, sondern auch der Text, wie ihr Leibwächter Cheech, der mit ihr lernen muss, nach einer Weile feststellt. Völlig genervt von Davids unechten Dialogen beginnt er, das Stück umzuschreiben. Er entdeckt immer mehr Leidenschaft fürs Theater, macht das Stück zunehmend zu seinem eigenen. Wehrt sich David anfangs dagegen von einem Mafiakiller belehrt zu werden, nimmt er die Änderungen nach einer Weile dankbar an. Denn sie finden bei der Hauptdarstellerin Helen, in die er heimlich verliebt ist, großen Anklang. Ihre divenhaften Allüren wurden von Dominique Frey großartig gespielt und sorgten für viele Spontanlacher. Auch die Gewissenskonflikte Davids wurden von den Darstellern gekonnt gespielt. Überhaupt ist es den Schülern gelungen die kuriosen Charaktere, mit denen Woody Allen das Auf und Ab des menschlichen Schicksals darstellen wollte, hervorragend herauszuarbeiten.

Mit viel Schwung trieb ihre Inszenierung die verschiedenen Ebenen voran, bis am Ende Leibwächter und Killer Cheech nicht mehr ertragen kann, wie sein Schützling Olive „sein“ Stück zerstört und die „Bullets“ (=Kugeln) nur so über den Broadway fliegen. So erntete die 12. Klasse, die sowohl für Auswahl des Stückes, Inszenierung, Regie sowie Kostüme und Bühnenbild allein verantwortlich war, tosenden Applaus vom begeisterten Publikum.