Starker Abiturjahrgang 2017

„Abituri-Enten“ sagen Adieu
Die Freie Waldorfschule Rastatt e.V. feiert großen Abiturjahrgang

Rastatt/Rheinstetten – Für die Waldorfschule Rastatt war es ein besonderer Jahrgang, denn noch nie haben so viele Schülerinnen und Schüler einer Klasse Abitur gemacht: 24 von ihnen verlassen die Schule mit der Hochschulreife, zwei mit der Fachhochschulreife.
Zufrieden zeigte sich Klassenbetreuer Christian Dittrich mit dem Notendurchschnitt von 2,6. Mehrere Schüler/innen erzielten Ergebnisse mit einer eins vor dem Komma. Jana Sänger aus Forbach-Langenbrand war mit 1,3 nicht nur Jahrgangsbeste, sondern erhielt außerdem die Franz-Schnabel-Medaille des Landes Baden-Württemberg für ihre herausragende Leistung im Fach Geschichte (14 Punkte). Räumlich betrachtet brachte der Jahrgang die Schule bei der Abiturfeier allerdings an ihre Grenzen: Für die große Zahl der Gäste musste die Schule auf die Bernhardushalle in Rheinstetten-Mörsch ausweichen. Dort thronte auf der Bühne das Maskottchen der Klasse: eine gelbe Quietsche-Ente, die „Abituri-Ente“, die außer den Zeugnissen auch an alle Absolventen verteilt wurde. Während der Feier ließen Eltern und Schüler 13 Jahre gemeinsamer Schulzeit Revue-passieren: „Dreiviertel unseres Lebens haben wir zusammen verbracht, 13 Jahre schweißen zusammen“, betonte Kilian Knispel. Das letzte Jahr sei das härteste gewesen, denn an Waldorfschulen zählen Abiturnoten zu hundert Prozent, weil es keine Vornoten gibt. Elternvertreter erinnerten daran, dass trotz vieler Vorurteile gegenüber der Waldorfpädagogik, dass trotz Schulgeld und Putzdienst die Zahl der Waldorfschulen weltweit wachse. „Backen, bauen, blechen – das an Waldorfschulen übliche Eltern-Engagement stoppt den Zulauf nicht. Ganzheitlich, individuell und integrativ: Waldorfschulen machen die Bildungslandschaft vielfältiger“, so das Fazit von Stefan Glatt und Jürgen Fellmoser.
In ihrer nachdenklichen Rede erinnerte Klassenbetreuerin Peggy Pigerre daran, dass das Abiturzeugnis kein Garant für Erfolg sei, sondern nur ein Zwischenstand, denn es komme darauf an, was die Abiturienten daraus machten. „Halten Sie Ihre Träume fest, Ihre Träume sind die Essenz Ihres Lebensglücks! Folgen Sie ihrem inneren Kompass, er ist schon genordet“, gab sie den Absolventen mit auf den Weg. Durch Lieder musikalisch aufgelockert, mit Luftballons, die die Wünsche der Schulabgänger in die Luft trugen, ging der Abend in den geselligen Teil über, bei dem in Gesprächen immer wieder deutlich wurde, welche Erinnerungen die Abiturienten mitnehmen und was ihnen die Waldorfschule bedeutet: gute Klassengemeinschaft, viele Theateraufführungen und Praktika, persönliche Beziehungen zu den Lehrern, die als hilfreich empfunden wurden, dass die Individualität der Schüler gesehen und die Freude am Lernen erhalten wurde. „Ich war die ersten vier Jahre an einer staatlichen Grundschule und hätte danach auf die Realschule gehen sollen. Stattdessen bin ich zur Waldorfschule gewechselt und habe so die Chance bekommen ein gutes Abitur zu machen“, erzählt eine von ihnen. „Hier bekommt man mehr Zeit für die eigene Entwicklung. Pauken allein hilft nicht. Die handwerklich-künstlerischen Fächer haben mir Stärke für mein Leben gegeben.“ Und ihre Mutter ergänzt: „Hier wird der Blick auf das gerichtet und entfaltet, was in die Menschen hineingelegt ist. Das schätze ich sehr.“